Tag 12

Heute heißt es „Auf Wiedersehen“, denn das Schöne ist, dass sich alle voraussichtlich im März wieder in die Arme schließen können. Daheim warten derweil Familie, Freunde (und ein paar Schulaufgaben).

Meine Erwartungen

Treffpunkt 3:00 Uhr Manas Airport Bischkek. Das verheißt eine sehr kurze Nacht und/oder keinen Schlaf. Ich glaube, dass der Tag etwas stressig starten wird und doch werden wir eigentlich glücklich sein, denn wir haben eine tolle Zeit erlebt und schließen bald wieder unsere Lieben in die Arme.

Meine Erlebnisse

Ich habe wirklich nur kurz die Augen zugemacht, dafür gab es mit meiner Austauschpartnerin einfach viel zu viel zu bereden. Wir sind uns wirklich ans Herz gewachsen und dann fällt es einfach schwer, loslassen zu können. Als dann endlich der Wecker klingelte, sprangen wir auf und dann ging alles schnell. Der Koffer war weitgehend gepackt, schnell noch einmal frisch gemacht, einen kleinen Happen gegessen. Alles wuselte, eilte, übeprüfte, ob alles da ist. Die wichtigsten Dinge hatte ich sowieso an mir: Pass, Portemonnaie, Telefon. Kurz bevor wir das Auto bestiegen, haben wir uns jedoch noch einmal nach kirgisischem Brauch auf eine Bank gesetzt und zwei Minuten Stille genossen. Ich erinnerte mich, wie ich vor 10 Tagen hier angekommen, wie so vieles für mich ganz neu war und man jetzt nach eigentlich kurzer Zeit schon soviel miteinander erlebt und geteilt hat.

Die Fahrt zum Flughafen dauerte dann nicht sehr lang. Wir sprachen über unsere Erlebnisse und meine Gasteltern wollten natürlich wissen, ob es mir in Kirgistan gefallen hätte. Auch wenn vieles so anders ist, es in Deutschland viel mehr Komfort gibt, kann ich diese Frage immer nur bejahen. Es war wunderbar. Am Flughafen angekommen waren einige unserer Gruppe schon da, andere kamen erst später. Meine innere Anspannung stieg, denn es war klar, dass ich mich jetzt von Meerim verabschieden musste. Denn dann ging alles schnell: letzte Küsse, Drücker, Fotos, viele Tränen und dann Anstellen zum Einchecken. Das dauerte sehr lange, vor allem weil alle Übergepäck hatten und mancher noch sehr schnell seinen Koffer von oben nach unten neu organisierte. Jeder war von seiner Gastfamilie natürlich reich beschenkt worden und hatte darüber hinaus auch noch eigene Souvenirs und Mitbringsel eingekauft.

Als wir alle endlich eingecheckt hatten, blieb uns nur ein kurzer Moment, den Austauschpartner an uns zu drücken und Lebwohl zu sagen. Dann ging es zur Passkontrolle, die erfreulicherweise schnell und unkompliziert lief und so entschwanden wir langsam aus dem Blickfeld unserer Freunde, die noch lange nach uns schauten und winkten. Mittlerweile war es schon kurz vor 5 und wir kamen gerade rechtzeitig zum Boarding. Und dann saßen wir im gut gefüllten Flieger. Es war laut, es war eng und trotzdem fiel eine große Portion Stress von uns ab. Jetzt ging es nach Hause. Mich selbst hielt es nicht lange wach und ich schlief kurz nach dem Abheben ein. Als ich aufwachte, waren schon einige Stunden vergangen, mittlerweile war es hell und aus dem Fenster konnte man unzählige schneebedeckte Berge und mächtige Gebirgsketten sehen. Waren wir etwa immer noch in Kirgistan? (Nein, wir sind in diesem Moment über den Iran geflogen. Anm. d. Red.) Der Flug dauerte dann noch ein ganz schönes Stück und am spannendsten war eigentlich nur, dass irgendwann nochmal ein einzelner riesiger Berg aus den Wolken guckte. (Das war der Ararat, der Grenzberg zwischen Armenien und der Türkei. Anm. d. Red.) Als wir dann endlich in Istanbul ankamen, stellten wir unsere Uhren drei Stunden zurück und besorgten uns etwas zum Frühstück. Leider war ja erst der erste Reiseabschnitt nach Hause geschafft. Irgendwann gab es auch ein Gate für uns, wir fanden sogar Sitzplätze zum Warten und träumten uns so langsam nach Hause.

Unser Schlafdefizit ließ mich auch den Flug nach Hamburg weitgehend verschlafen. Draußen sah man eh nur Wolken und Grau. In Deutschlands Norden angekommen empfing uns dann auch standesgemäß Nieselregen, allerdings ging die Passkontrolle durch diese neuartigen Automaten sehr schnell und wir brauchten nur darum zittern, ob es unsere Koffer bis hierher geschafft hatten. Hatten sie und eigentlich war jetzt die große Aufregung durch. Mit dem Zug nach Bremen – was sollte da schon schief gehen? Natürlich war es etwas voller und bis wir alle einen Sitzplatz gefunden hatten, dauerte es einige Momente, aber irgendwann konnten wir uns alle in Ruhe zurücklehnen. Als der Zug an einem Bahnhof stoppte, wurden jedoch zwei unserer Koffer versehentlich von einer Kontrolleurin auf den Bahnsteig rausgestellt. Sie dachte, dass die beiden Koffer zu einer älteren Dame gehören, die um Hilfe beim Aussteigen bat. Nach kurzer Zeit bemerkte jemand von uns, dass die Koffer fehlten und nun war die Entspannung vorbei. Mit Hilfe der Kontrolleurin und der Polizei versuchte man nun die Koffer mit dem nächsten Zug nach Bremen zu bekommen, was glücklicherweise gelang.

Und nun rollten wir in Bremen ein, sahen eine große Traube sehnsüchtig wartender Eltern und als sich die Türen öffneten, stürmte sich alles entgegen. Was für ein toller Moment! Alle waren überglücklich, nach dieser großen Abenteuerfahrt so weit von Zuhause entfernt wieder beieinander zu sein. Aber wir wollten in diesen Moment auch nicht vergessen, wer uns diese wahnsinnig tollen Erlebnisse ermöglicht hatte und so bedankten wir uns mit unseren Eltern ganz herzlich bei unseren Lehrern. Nach all den Nachtschichten, Problemen, Ausarbeitungen und Absprachen hatten sie es sich mehr als verdient, einmal im Zentrum zu stehen und unseren Applaus, Blumen und ein kleines Geschenk zu erhalten.

Während die anderen sich gegenseitig verabschiedeten und nach Hause gehen konnten, mussten Saihan und ich (Carlene) noch eine knappe Stunde auf den nächsten Zug aus Hamburg warten, in der Hoffnung, dass die verloren gegangenen Koffer mit im Zug sind. Glücklicherweise waren sie dabei und wir konnten jetzt auch erleichtert nach Hause fahren.

Fazit:

Dieser Austausch war unglaublich toll und er wird für uns unvergesslich bleiben. Dass uns der Abschied von den Kirgisen so schwer fiel, zeigte, dass wir uns alle miteinander sehr gut verstanden hatten und richtige Freundschaften entstanden waren. Unheimlich viele Tränen flossen und wir werden alle noch ein wenig brauchen, diese zwei Wochen zu verarbeiten. Wir können es jetzt schon kaum abwarten, die Kirgisen im März in Bremen zu begrüßen und hoffen, dass dieser Austausch jetzt mehr ins Bewusstsein der Schule und Schüler gerückt ist. Man muss Kirgistan selbst erlebt haben und niemand wird bereuen, einmal über seinen Tellerrand geschaut zu haben.

Tag 11

Kaum angekommen und eingelebt, ist auch schon der letzte Tag angebrochen. Intensive Tage liegen hinter uns und viel wird noch zu tun sein. Aber heute gilt es langsam Abschied zu nehmen…

Meine Erwartungen:

Ich (Anton) freue mich einerseits auf diesen Tag, da auch der letzte Teil unserer Gruppe die Chance hat, einen Experten zum Thema „Migration“ zu interviewen. Die Aspekte und Fragen, die wir in der Schule gesammelt haben, noch einmal durch einen Fachmann beurteilt und beantwortet zu bekommen, ist für uns sehrs hilfreich und für mich auch irgendwie spannend. Andererseits wird der letzte Tag durch die vielen Verabschiedungen sehr traurig werden.

Meine Erlebnisse:

Der Tag startete für mich um 8:15 Uhr durch meinen guten Freund, den Wecker. Ich ging duschen und machte mich bereit für den heutigen Tag, indem ich meine Jogginhose links liegen ließ und nach meiner dunklen Jeans kramte. Bevor wir uns auf den Weg machen konnten, musste ich aber noch meine Suppe essen und meinen Tee trinken. Solche Dinge den Kirgisen auszuschlagen, ist unmöglich. Verhungern konnten wir hier keinesfalls. Dafür wurden wir einfach viel zu gut und reichhaltig umsorgt. Mit einem gemeinsamen „Omen“ wurde das Essen schließlich beendet und wir kamen leider erst verspätet zur Schule los. Wir fuhren mit der Frau von Aizhans Bruder, mit der ich mich angeregt über die Kultur und die Tradition Kirgistans unterhielt. Nach der 40 minütigen Busfahrt und einer Vielzahl an neu gewonnenen Wissen über Kirgistan stiegen wir aus und gingen in die Schule. Wie an jedem Tag grüßte uns der Hausmeister in einer Mischung aus Kirgisisch und Deutsch. Zu unserem Glück gab es technische Probleme mit der White Board-Tafel, wodurch es nicht besonders auffiel, dass wir zu spät kamen. Kurz vor 10 trudelten auch die letzten ein und wir fingen mit den Nachbesprechungen der Interviews an. Zunächst ging es weniger, um Kritik, Lob, Tipps und Tricks, sondern um Inhaltliches, da jeder Schüler in anderen Interviewgruppen war. Um ein gemeinsames Verständnis der Thematik „Migration“ und der Position unserer Interviewpartner zu erreichen, sollten wir kurz unsere Institution und deren Ziele und Aufgaben vorstellen, auf eine wesentliche Aussage eingehen und dann die Antworten auf unsere Basisfragen darlegen. Zur Begeisterung unserer Lehrer verlief gerade dieser wichtige Teil sehr behäbig und mussten sie teilweise stark lenkend eingreifen. Die anderen konnten ihre Informationen mehr oder weniger gut darstellen. Im Allgemeinen zeigte sich jedoch, dass die Informationen durch unseren Experten der IOM auch durch die einzelnen Interviewpartner gestützt werden, sie jedoch an manchen Stellen mit Blick auf ihr individuelles Arbeitsfeld differenzieren. (Dazu an anderer Stelle mehr.)

Dann klopfte es auf einmal und das kirgisische Fernsehen kam früher als verabredet. Zuerst wurde das Unterrichtsgeschehen auf Film und Foto gebannt und dann wollte man noch ein Interview mit 2 Schülern führen. Unser Lehrer war wegen des gekaperten Unterrichts an dieser wichtigen Stelle recht genervt und überließ dem Filmteam den Raum. Umso problematischer war, dass Frithjof und ich nicht etwa über unser Projektthema oder ein paar Hintergründe unseres Austausches befragt wurden, sondern ganz allgemeine Fragen zu Kirgistan gestellt bekamen. Wie gefällt es euch hier? Würdet ihr hier gerne leben? Was sagt ihr zu den Nomadenspielen? Am Ende gab es noch ein Foto der gesamten Gruppe vor dem Schulgebäude und wir konnten weitermachen.

Im zweiten Teil des heutigen Projektunterrichts ging es dann um die Reflexion des Austausches. Hierzu hatte der neue Deutschlehrer der Schule 69 eine aktive Variante vorbereitet, die ebenfalls auf dem Schulhof stattfand. Im Kreis stehend mussten wir uns zu jeder Frage enstprechend unserer Zustimmung positionieren. Je näher wir ihm in der Mitte kamen, umso mehr bejahten wir die Frage. Schön zu sehen war, dass wir uns als Gruppe oftmals ziemlich nah kamen, da wir alle ähnliche Einschätzungen besaßen und die Fragen nach Lerneffekten, Zufriedenheit, Atmosphäre mit einem klaren „Ja“ beantworteten. Außerdem bekamen wir ausführliche Fragebögen, um unsere Gedanken über den Austausch und die Zeit in Kirgistan ausführlicher festzuhalten. Jeder Schüler nahm sich viel Zeit fürs Ausfüllen und half seinem kirgisischen Partner mit problematischen Vokabeln. Durch die beiden Aufgaben haben wir uns nochmal genauere Gedanken über den Austausch gemacht und sind zu dem Entschluss gekommen, dass es eine unvergesslich schöne und interessante Zeit war. Ich kann den Austausch an jeden weiterempfehlen, der offen für neue Menschen und eine andere Kultur ist. Danach war für die meisten Schüler Schluss (abgesehen von einigen Schreib- und Kaufaufträgen). Für uns (Frithjof, Dastan, Begaim, Aizhan und ich) stand jetzt jedoch das Interview mit der Friedrich Ebert-Stiftung an. Zum Glück hatten wir vorher aber eine zweistündige Pause, in der wir mit allen Koreanisch essen gegangen sind.

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Das Interview verlief dann sehr gut. Der Regionaldirektor der Friedrich Ebert-Stiftung in Kirgistan Alexander Rosenplänter war wirklich nett, sehr zuvorkommend und ließ sich auf alle Fragen von uns ein. Es war eine überaus freundliche Atmosphäre und die ganze Zeit ein Gespräch auf Augenhöhe. Wir sprachen über die sehr vielfältigen Tätigkeitsfelder der FES, darüber dass man sowohl mit dem Parlament als auch mit Jugendclubs zusammenarbeitet und dass man sehr viel Wert darauf legt, mit den Kirgisen gemeinsam gesellschaftliche Entwicklungsprozesse anzustoßen. Auch die FES sieht die wirtschaftliche Lage Kirgistans als Auslöser der starken Migration an und versucht auf ihre Weise Änderungen in den teils verkrusteten Strukturen zu erreichen, die dann langfristig in Pull-Effekten für Kirgistan münden könnten. Leider hatte er eine Stunde später bereits eine Konferenz. Wir übergaben unser kleines Geschenk, Herr Rosenplänter freute sich aufrichtig und  wir schossen schnell noch ein paar Fotos mit ihm und einem Papp-Ebert. Wirklich schön war, dass er uns zum Bleiben inlud, schließlich wären noch Tee und Kekse da. Diese Chance nutzten wir und sprachen mit der deutschen Praktikantin, die für drei Monate in Kirgistan ist und gerade am Morgen an einer kleinen Konferenz mit Frauen im sogenannten „Gender Lab“ teilgenommen hatte. Wir sprachen nun ganz offen über Dinge wie Sexualität, Homosexualität und den Blick der Kirgisen darauf. Für uns Deutsche war es überraschend, dass die Kirgisen keine Informationen in der Schule zu diesen Themen erhalten und gerade die Mädchen nur daheim aufgeklärt werden. Ihr sehr kirtischer Blick auf unterschiedliche sexuelle Orientierung ist dabei stark von Religion (in Kirgistan vor allem der Islam) und der traditionsverhafteten Gesellschaft geprägt.

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Im Anschluss haben wir uns mit dem Rest getroffen, manche waren vorher noch auf dem Osch-Basar einkaufen, und sind Rollschuh fahren gegangen. Danach gab es Pizza und wir ließen den letzten Abend ruhig ausklingen, schließlich war der Treffpunkt am Flughafen mit 3 Uhr am Morgen ordentlich früh. Bevor die ersten Kirgisen gehen mussten, bekamen wir noch kleine Geschenke als Andenken an die schöne Zeit. Unter Tränen verabschiedeten sich die, die am nächsten Morgen nicht am Flughafen sein konnten und gegen 22:00 Uhr löste sich unsere Gruppe auf. Wir fuhren mit unseren Partnern zu den Familien, um den letzten Abend mit ihnen zu verbringen. Auch von ihnen bekam ich Geschenke für meine ganze Familie und man merkte noch einmal, dass Gastfreundlichkeit und Höflichkeit in Kirgistan ein sehr wichtiger Teil für sie ist. Und so schlief ich einerseits mit einem traurigen, aber auch glücklichen Gefühl schlief ich ein.

Bemerkenswertes

Die Offenheit unseres Interviewpartners, die die Antworten in langen und verständlichen Sätzen erklärten.

Die Familien und Austauschschüler, die uns sehr schätzen und nicht mehr gehen lassen wollten.

Herausforderndes

Die Antworten der Experten aufzunehmen und daraus weiter Fragen zu entwickeln. Es gelang uns nicht immer, aber für den Anfang hat es gereicht.

Fazit:

Umso trauriger der Abschied, desto schöner der Austausch.

Tag 10

Kühe, Pferde, Berge, Täler, Jurten – in verschiedenen Ausprägungen, Mengen, Höhen, Tiefen. Zurück in der Stadt wird es nun auf andere Weise spannend – die Schüler interviewen heute hochkarätige Partnerinstitutionen.

Meine Erwartungen

Man ist nicht alle Tage zu Gast in der deutschen Botschaft und trifft die höchste deutsche Vertreterin, sodass mir (vielleicht mehr als den Schülern) etwas mulmig ist. Die Interviewanfragen erfolgten bereits vor Monaten, jetzt also sollen es die Schüler richten und uns mit ihren Fragen das nötige Wissen zur Beantwortung unserer Projektfragen akquirieren. Würde jeder Schüler gut vorbereitet kommen, würde man sich für Jogginghosen und Tennissocken schämen müssen, würden die Interviewpartner fair und offen mit uns umgehen? Meine Nerven waren merklich gespannt.

Meine Erlebnisse

Aus der Jurte raus und rein ins Hemd. Für mich standen heute zwei Interviews an – ich würde Schüler gegen Mittag zur deutschen Botschaft begleiten und am frühen Nachmittag zur ZfA. Gleichzeitig hatte eine Schülerin Geburtstag und musste mit Recht noch entsprechend bedacht werden. Doppelt und dreifacher Check, ob alles Nötige auch am Mann ist: Geburtstagskärtchen – und kerzen, Aufmerksamkeiten für unsere Interviewpartner, Improvisationsfragen, Schreibgerät und vor allem der Pass, um bis zur Botschafterin vorgelassen zu werden. Kurz vor der Schule komplettierte noch ein kleiner Schokokuchen das illustre Ensemble und man stellte bei Ankunft fest, dass sich die Nacht in der kalten Jurte offensichtlich etwas auf den Schlafrhythmus der Kinder gelegt hatte. Kleinere Verspätungen, die auf den Verkehr geschieben werden konnten, aber alle angemessen gekleidet. Sehr gut. Dann aber der erste Dämpfer: Einen Schülermagen hatte es ärger erwischt als der meinige in den Tagen zuvor und ausgerechnet die Gruppe für das Interview mit der Botschafterin reduzierte sich auf auf zwei Schüler. C´est la vie!

Nach dem standesgemäßen Geburtstagsständchen für Greta (die Gott sei Dank zu spät kam, sodass jeder in Ruhe die Karte unterschreiben konnte), ging es endlich ans Feintuning, letzte Hinweise und Mahnungen. Die Schüler steckten die Köpfe zusammen, strichen allzu geschlossene Fragen, ergänzten „provokante“ Thesen und gemeinsam einigten wir uns auf die Idee, als Vergleichsmoment drei Skalen einzuführen, auf denen sich unsere Interviewpartner positionieren sollten. Hintergrund hierbei war, damit die Arbeit der jeweiligen Institution besser nachvollziehen zu können und wiederum Diskussionsanreize zu geben. Fördert oder verhindert man Migrationsprozesse? Versucht man sie eher zu steuern oder lässt man sie unkontrolliert geschehen? Wirkt man stark oder schwach auf Migrationsprozesse in Kirgistan ein? Die Schüler arbeiteten ruhig, konzentriert und motiviert – und gaben damit ihrem Lehrer die nötige Portion Ruhe zurück.

11:30 Uhr also Termin mit der deutschen Botschafterin in Kirgistan (oder wie das Auswärtige Amt formulieren würde „Kirgisistan“) und pünktlich standen wir (ein deutscher Schüler, ein kirgisischer und ich) zur Stelle, um durch einige Sicherheitsschleusen zu ihr vorgelassen zu werden. Es folgte ein sehr offenes und informatives Gespräch mit Frau Iwersen, die sich viel Zeit für unsere Fragen nahm. Sie bestätigte an vielen Stellen die Ausführungen des IOM-Experten, die wir am vergangenen Freitag erhalten hatten und betonte darüber hinaus, dass sich Migration aus Kirgistan nach Deutschland vor allem auf junge Menschen bezieht, die in Deutschland vor allem die gute Ausbildung schätzen, danach aber oft wieder das Land verlassen und zurückkehren. Interessant darüber hinaus war das langjährige Bestehen der deutschen Botschaft in Bischkek. Bereits 1992 nahm Deutschland diplomatische Beziehungen zu Kirgistan auf, unterstützte ganz bewusst das gerade unabhängige gewordene Land und war damit bis in die 2000er Jahre die einzige europäische Ländervertretung vor Ort. An dieser Stelle spannte Botschafterin Iwersen den Bogen zu einem weiteren Punkt, den wir bereits kennengelernt hatten – den der damals noch relativ starken deutschen Minderheit, die ihre Heimat ja unter anderem in Rotfront hatten. Weitere Interviewdetails werden an anderer Stelle dieses Blogs noch veröffentlicht werden. Nach über einer Stunde angeregten Gespräches verließen wir mit guten Wünschen der Botschafterin die deutsche Vertretung (die sich sehr über unseren kleinen mitgebrachten Gruß aus Bremen freute) und während sich die beiden Schüler in die Freizeit und Aufarbeitung des Interviews ergaben, machte ich mich auf den Rückweg zur Schule, versuchte mich nicht vom wilden Verkehr überrollen zu lassen und sprang mit der nächsten Interviewgruppe ins Taxi zur ZfA.

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Aufgeteilt auf zwei Taxen ging es diesmal motorisiert über Bischkeks Straßen zum ehemaligen Arbeitgeber, der Zentralstelle für Auslandsschulwesen in Person von Rebekka Wagner, der Fachberaterin für Deutschlehrer Kirgistan. Die Interviewgruppe war zwar einiges größer als zuvor in der Botschaft und doch entstand ein lebhaftes Gespräch zu verschiedenen Fragen über Auslandsschularbeit, vor allem ihren Sinn und Zweck. Frau Wagner betonte den Wert des Perspektivwechsels aus dem deutschen Schulsystem heraus und die Möglichkeit für kleine und größere Abenteuer des Auslandslehrers. Nicht zuletzt ging es dann aber auch um die Vorteile für die Deutsch lernenden Schüler, die endlich von Muttersprachlern in die Untiefen der deutschen Grammatik eingeführt werden können. Spaß beiseite. Der Autor hat selbst erfahren, wie wichtig und erfolgreich konsequenter Unterricht in der Zielsprache ist und welche Sicherheiten versierte (!) Muttersprachler den Schülern geben können. Andererseits entspann sich gerade an dieser Qualifizierung der Schüler die Diskussion über mögliche Nachteile und die Frage, inwiefern die Auslandsschularbeit Migration noch befördert. Frau Wagner wies diesen theoretischen Vorwurf zurück und legte dar, dass alleine die Chance, ein Praktikum oder ein Studium in Deutschland aufgrund der erworbenen Sprachkenntnisse aufzunehmen, noch nicht als Förderung zu verstehen sei. Auch dieses Interview werden wir an anderer Stelle noch einmal genauer zusammenfassen. Die Schüler überreichten zum Abschied ein kleines Dankeschön und damit war der heutige Tag für mich zunächst vorbei.

Gemeinsam wertete ich diesen Tag mit meinem Gastgeberbruder aus, der mir nicht nur auf grandiose Weise Herberge bot, sondern auch sehr viel inhaltliche und konzeptionelle Hilfe leistete. Er war mit mehreren Schüler bei der GiZ und berichtete von einem ebenso freundlichen wie auch gut vorbereiteten Empfang. Die Schüler gingen dann nicht nur mit kleinen Gastgeschenken heim, sondern auch mit dem Wissen, dass die GiZ an verschiedenen Stellen Wirtschaftshilfe für Kirgistan leistet. Am interessantesten war hierbei der Ansatz der GiZ, auf die berufliche Qualifizierung der Kirgisen einzuwirken, um damit allgemein die Beschäftigungssituation zu verbessern. Sei es, indem man Schulen und Arbeitsämter stärkt, man auch Frauen in eher männertypische Arbeitsbereiche eindringen lässt und sie in Schweißen, Bauen und Sanitärtechnik einführt und auch, dass man auf eine bessere Zertifizierung schon vorhandener Qualifikationen setzt. Letzteres sei vor allem ein Problem, das den kirgisischen Arbeitsmigranten immer wieder begegnet – dass ihre Erfolge, Leistungen und Qualifikationen nicht angemessen anerkannt werden. Ein spannendes Gespräch, bei dem ich leider nicht dabei sein konnte, was aber ebenfalls noch an anderer Stelle näher dargelegt werden wird.

Der Tag ging dann zum Glück entspannt zu Ende und hatte auch einmal ein wenig Raum für individuelle Abendgestaltung.  Irgendwann gegen Eins, nach erfolgter Redaktionssitzung mit mir selbst zu diesem Blog und letzten Orga-Aktivitäten, ging es dann auch ins Bett.

Bemerkenswertes

Die Offenheit unserer Interviewpartner, die sich sehr nahbar und schülerfreundlich für uns und unsere Fragen Zeit nahmen.

Die Fischbäckchen, die bei einer innerdeutschen wie auch -thüringischen Verständigung am Abend als Diskussionstreibmittel fungierten.

Dass bereits ein Zeiss-Fan vor mir in Bischkek Station machte.

Herausforderndes

Interviews so offen wie möglich zu gestalten, gleichzeitig aber die eigenen Interessen abzudecken und den Schülern vertrauen, dass ihnen genau das auch schon gelingt. Grundsätzlich funktionierte das ganz gut, wenn auch manche Formulierung der Aufregung geschuldet zu holprig kam. Aber Schwamm drüber – es musste sich ganz und gar nicht geschämt werden und das ließ mich stolz diesen Tag beenden.

Tag 9

Für den heutigen Tag ist die Rückfahrt nach Bischkek, ein Museumsbesuch und die Vorbereitung der morgigen Interviews geplant.

Meine Erwartungen

Ein langweiliger, eintöniger Tag, welcher nur aus der Fahrt nach Bischkek und Interviewvorbereitungen bestehen wird.

Meine Erlebnisse

Eine schöne aber eiskalte Nacht liegt hinter uns, um 08:00 Uhr in der Früh werden wir geweckt, um die Jurte für das Frühstück herzurichten. Es gibt Pfannkuchen, Teigtaschen und Ei sowie diverse Salate und Brote. In dicke Jacken und Decken eingewickelt ist das Teetrinken gleich noch viel wärmer und wir alle hören langsam auf zu frieren. Nach dem Frühstück machen wir uns an das Verstauen der Koffer und Rucksäcke, wobei die einen schwerer zu tragen haben als andere. Nun heißt es auf Wiedersehen Jurte, Tschüss Pferde und atemberaubende Natur und ab in den Bus.

Unser erster Stop auf unserem Heimweg ist das „Nomad Civilization Center“. Hier bekommen wir eine Führung und erfahren Einiges über die Kultur der Nomaden. Trotzdem bleiben viele Fragen offen und die Führung an sich erschien uns allen im Vergleich zum Vortag deutlich langweiliger. Gegenstände, wie man sie bereits in vorherigen Museen gesehen hatte, die selben Teppiche, kein aktives Mitdenken und Handeln – ein Vortrag in einem sterilen Haus, welches zum Glück genügend Bänke hatte. Das Einzige, was der Großteil von uns aus diesem Museum mitgenommen hatte, war die Frage: „Warum und seit wann sind die Kirgisen keine Nomaden mehr“, was zu einer kleinen Diskussion mit verschiedenen Thesen geführt hat.P9188745.JPG

Daraufhin ging die Busfahrt weiter, viele nutzten sie dieses Mal zum Aufholen von Schlaf. Gegen 15:00 Uhr stand dann die nächste Pause auf dem Programm, gemeinsam aßen wir Melone und Fladenbrot, um uns für unsere letzte Etappe zu stärken. Um 17:00 Uhr kamen wir dann endlich in Bischkek an und fuhren zurück zu unseren Familien, um kurz unser Gepäck abzulegen und danach in die „Asia Mall“ zu fahren – dort trafen wir uns alle gemeinsam um zu essen, die letzten Tage zu verdauen und die Fragen für die morgigen Interviews zu erstellen.OLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERAOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Nebenbei mussten wir auch noch das Geschenk und eine Location für Greta organisieren, welche am Mittwoch Geburtstag hat. Das Kaufen von Geschenken ohne kirgisischen Übersetzer kann schwer sein, aber mit Hand, Fuß und der Hilfe von Google haben wir es dann hinbekommen. Nach dem wir all unsere Aufgaben gemeistert hatten, haben wir alle noch ein wenig gequatscht und sind dann jeder in die eigene Richtung nach Hause gegangen. Greta kam an diesem Abend noch mit zu mir und wir haben beim gemeinsamen Abendessen mit meiner Gastfamilie darüber geredet, was es Schönes in Bremen gibt, aber auch über unsere Zukünftswünsche und Studienbedingungen. Um 24:00 Uhr endete der Tag dann für uns, Gott sei Dank mit weichen und warmen Betten.

Bemerkenswertes

Das leckere Frühstück in der Jurte aber auch die Kirgisische Landschaft, welche wir auf unserem Rückweg gesehen haben. Auch war toll, dass wir als Gruppe den Abend genutzt haben.

Herausforderndes

Die doch sehr lange Fahrt und Interesse zeigen in einem Museum, welches uns nicht angesprochen hat. Ebenfalls herausfordernd war es, Gretas Geburtstagsgeschenke zu organisieren.

Fazit

Kirgistan – nicht alle deine Orte haben einen gewissen Reiz…

Tag 8

Für den 2.Tag unserer gemeinsamen Exkursion an den Issyk Kul See sind mehrere Dinge geplant. Nicht nur der Museumsbesuch, sondern auch eine Wanderung und die Übernachtung in einer traditionellen Jurte. Das ganze steht unter dem Motto: „Nomadenleben“

Meine Erwartungen

Ich (Greta) habe mich schon sehr auf den heutigen Tag gefreut, da man nicht immer die Möglichkeit hat, in einer Jurte zu schlafen. Außerdem war ich auch sehr auf die kirgisische Landschaft gespannt, von der wir zwar schon viele schöne Eindrücke erhalten konnten, jedoch ist es etwas anderes, quasi unter „freiem Himmel“ zu schlafen. Jedoch waren wir uns alle einig, dass dies eine kalte und kurze Nacht werden würde.

Meine Erlebnisse

Der Morgen begann für mich um 8:00 Uhr. Für meine Zimmergenossin Laura, begann der Tag jedoch schon um 6:00 Uhr, da ich es mir erlaubt hatte, ihren Wecker schon auf 5:45 Uhr zu stellen. Nachdem wir uns fertig gemacht hatten, trafen wir uns mit allen vor den Zimmern. Wir besprachen noch einmal unser Vorgehen bei der Überraschung für Frau Banik. Da wir am vorherigen Tag erfahren hatten, dass Frau Banik heute Geburtstag hätte, wünschte sich Herr S., dass wir ein deutsches Geburtstagslied für sie singen sollten. Wir entschieden uns für „Viel Glück und viel Segen“, das kaum einer kannte. Weder die Schüler, noch Herr S. Da wir jedoch mit dem Internet vertraut waren, war es schnell möglich, sich das Lied noch einmal anzuhören. So ließ sich das Ganze mehr oder weniger gut organisieren. Die Lehrer hatten Blumen und einen, am Vorabend kurzfristig gekauften, Kuchen besorgt. Wir versammelten uns im Esszimmer und warteten auf das Geburtstagskind. Gemeinsam hatten wir beschlossen, dass Anton der „Stimmführer“ beim musikalischen Beitrag sein sollte. Als Frau Banik nichtsahnend das Zimmer betrat, standen wir alle auf und Anton fing an zu singen. Wir anderen stimmten mit ein und auch Herr S, dem wir das Lied kurz vor knapp gezeigt hatten, trällerte dazu. Frau B freute sich sichtlich und mit feuchten Augen bedankte sie sich herzlich bei allen. Zum Frühstück gab es Milchreis, Pfannkuchen mit Quark und dazu bekam jeder noch ein Stück von Frau Bs Kuchen. Danach waren unsere Bäuche gesättigt und wir waren für den Tag gestärkt.

Zu Fuß ging es zum Rukh Ordo – ein Kulturmuseum, das das Leben der Normaden in Kirgistan und die Geschichte Kirgistans zeigte. Jedoch interessierten die meisten am Anfang nur die Souvenirstände, da wir alle den Auftrag von unseren Eltern bekommen hatten, ihnen etwas aus Kirgistan mitzubringen. Nach einiger Zeit kam eine traditionell gekleidete Museumsführerin, die uns durch die große Parkanlage führte. Aus kleinen Boxen konnte man die Klänge kirgisischer Volksmusik wahrnehmen. Das Wetter war sehr schön und ließ die Anlage noch schöner erscheinen. Überall standen Steinfiguren, Bäume, kleine Tempel und Wassersprenger herum. Vor uns lag auch der glitzernde Issyk Kul-See. Die Frau führte uns zu einem großen Plakat, auf dem man einen Baum sehen konnte. Er war so etwas wie der Stammbaum der Kirgisen. Alle kirgisischen Schüler konnten sich auf dem Baum finden. Danach spielten wir eine Runde Tauziehen, bei dem wir Deutschen leider eine Niederlage einstecken mussten.Wir wurden außerdem durch viele Kapellen geführt, bei denen jede Religion vertreten war. Es gab eine kleine orthodoxe Kirche, eine katholische, eine Moschee, eine Synagoge und einen buddhistischen Tempel. In anderen Gebäuden gab es viele Bilder der Helden Kirgistans, Musikinstrumente und kunstvoll geschnitzte Holzfiguren. Bei einem kleinen, ich nenne es mal Glücksbrunnen, der aus drei Etagen bestand, musste man versuchen, mit einem Geldstück, eine dieser Etagen zu treffen. Die kleinste und oberste traf, bis auf Samara, die Lehrerin, niemand. Danach kamen wir in ein Gebäude, in dem das Normadenleben noch einmal besser dargestellt war. Dort standen zum Beispiel eine echte Jurte und die verschiedenen Kopfbedeckungen der Nomaden, die ihnen als Schutz vor Kälte und Hitze dienten. Danach war die Führung auch schon zu Ende.

Als wir wieder zur Jugendherberge zurück gegangen waren, packten wir unsere Sachen und stiegen in die Busse. Dort bekamen wir von den kirgisischen Lehrerinnen „Suschka“. Das sind kleine gebackene Teigringe, die sehr hart sind und nach Brezeln schmecken. Dazu bekamen wir auch noch Brot. Frithjof, Jasper und Anton hatten sich auch noch Joghurt und je 100 Plastiklöffel für die Fahrt gekauft, da ihre Absprache zuweilen miserabel ist (definitiv ein Glanzstück der Herrenriege), Der Joghurt hätte jedoch furchtbar und nach Chemie geschmeckt. Als wir schon aus der Stadt raus waren und um uns die Weiten Kirgistans lagen, hielten wir auf einer riesigen Wiese an. Hier ragten die großen Berge in den Himmel und schmiegten sich dunkelgrüne und auch zitronengelbe Wälder an deren Hänge. Man fühlte sich sehr klein, aber frei. Wir machten einige Fotos für die Familien und stiegen dann wieder in die Busse. Herr S hatte seinen Lebensmittelpunkt in unseren Bus verlegt, da der andere Bus seinen Musikgeschmack nicht ganz getroffen hatte. So fuhren wir weiter und bestaunten die schöne Natur, die sich uns bot. Neben uns plätscherte ein Fluss entlang, die Bäume rasten an uns vorbei und die Berge schauten auf uns hinab. Es war wirklich beeindruckend.

Als wir schließlich am Ort des Geschehens ankamen, erblickten wir sofort die Jurten. Daneben standen einige Pferde und warteten sogar zwei Adler, die man auf seiner Hand sitzen lassen konnte. In der Jurte waren derweil zwei lange Tische aufgebaut, auf der schon Essen stand. Es gab Tee und Nudeln mit Gemüse und Fleisch. Ich glaube, dass niemand sein Essen aufgegessen hatte, da wir mit so viel Essen überfordert waren. Nach dem Essen konnte wir endlich reiten und wandern. Für viele war es die erste Reiterfahrung. Auch wenn die Pferde manchmal ihren eigenen Kopf durchsetzten und mit ihren Reitern eine eigene Wanderung unternahmen, war es ein wirklich schöner Ausflug. Uns begegneten viele Einheimische mit ihren Pferde – und Kuhherden. Am besagten Wasserfall angekommen war bei vielen eine gewisse Enttäuschung vorhanden. Es stellte sich heraus, dass der Wasserfall etwas klein geraten war. Trotzdem diente er gut als Accessoire für Fotos. Beim Rückweg stellte sich heraus, dass die Kirgisen nicht nur im Tauziehen, sondern auch im Reiten besser waren. Besser tanzen als wir konnten sie auch, wie sich im Laufe des Abends zeigte. Bis auf Pferdemist an den Schuhen waren wir alle unversehrt zurück zu den Jurten gekommen.

Dann gab es wieder etwas zu Essen. Linseneintopf mit Brot und Tee. Als wir damit fertig waren, teilten wir uns auf die Jurten auf. Es hab eine Mädchen-Jurte und eine „gemischte“ Jurte. Während die einheimischen Frauen die Jurte zum Schlafen herrichteten, suchten wir Feuerholz für ein gemeinsames Lagerfeuer am Fluss. Jasper und einige anderen sorgten dafür, dass das Feuer weiter brannte. Die Lehrer stießen währenddessen, wie fast jeden Abend, auf irgendetwas (Geburtstagstoast, Ann.d.Red.) an. Dieses Land tat einigen nicht so gut, auch den Lehrern nicht (der eine sagt so, der andere so😄). Nach dem Lagerfeuer schaute ich mir mit einigen den umwerfenden Sternenhimmel an, bis wir von den Lehrern ins Bett geschickt wurden. Es wurde immer kälter auch in der Jurte. Zum Glück hatten wir gefühlt 30 Decken und da wir so dicht beieinander lagen, war es gar nicht mehr so kalt. Wir spielten noch eine Weile „Wahrheit oder Pflicht“. Bis auf einen tanzenden Lennart und Fragen über die Lieblingsperson des anderen Geschlechts bekamen wir jedoch keine neuen Erkenntnisse. Irgendwann als wir alle schon im Halbschlaf waren, entschieden wir uns, dass es wohl schlauer wäre, schlafen zu gehen. Anton war nicht ganz mit seinem Schlafplatz zufrieden und legte sich neben mich, was keine wirklich gute Idee war. Wir hatten beide nämlich nicht viel von der Decke. Eingepfercht zwischen Aiperi und Anton schlief ich ein.

Bemerkenswertes

Ich fand die Natur wirklich wunderschön. Die Berge, den Fluss, alles. Außerdem fand ich es schön, dass wir alle gemeinsam etwas erlebt haben und außerhalb des „Großstadtdschungels“ waren. Ich glaube, dass dieser Ausflug die Freundschaft zwischen den Deutschen und den Kirgisen noch einmal gestärkt hat.

Herausforderndes

Mal wieder waren die „Toiletten“ eine Herausforderung. Nicht nur bei den Jurten, sondern auch bei den Rastplätzen. Wir Deutschen sind in dem Punkt wahrscheinlich ein bisschen pingelig. Und auch die Kälte in der Jurte steckte uns bis zum nächsten Tag noch in den Gliedern.

Fazit:

Betten sind eine tolle Erfindung.

Zitat Anton: „Mein Rücken tut weh und ich spüre meine Füße nicht mehr.“

Tag 7

Das Abenteuer ruft. Es geht in den kirgisischen Osten, an der Grenze zu Kasachstan entlang zum größten Hochgebirgssee der Welt: dem Issyk Kul.

Meine Erwartungen:

Ich erwarte eine lange, aber lustige Busfahrt, riesige Berge links und rechts, alte Ladas und LKW vor, hinter und neben uns und einen traumhaften See mit klarem Wasser, in ich dem das letzte Mal in diesem Sommer baden werde.

Meine Erlebnisse:

Der Tag begann damit, dass wir (Dastan und ich) viel zu früh, um ungefähr 7:15, von kirgisischer Musik aufgeweckt wurden…

Eine gute Viertelstunde später stand ich, noch total müde, auf. Ich wollte eigentlich noch weiter schlafen, schleppte mich aber doch irgendwie in die Dusche. Anschließend zog ich mir bequeme Kleidung für die anstehende lange Busfahrt an und ging zusammen mit Dastan in die Küche zum Frühstück. Es gab Tomaten, Gurken, Lamm-, Rind-, und Hänchenfleisch mit Tee. Das Fleisch war vom gestrigen Schaschlikessen übrig geblieben. Eigentlich hatte ich großen Hunger, für die Menge an Fleisch am Morgen war ich aber auch noch nicht bereit. Gefühlt ein halbes Kilo Fleisch später, putzte ich mir die Zähne und packte noch die letzten Kleinigkeiten für den großen Ausflug in meinen Rucksack.

Kurz nach 8 fuhren wir mit dem Auto los zur Schule. Ich durfte/sollte wie immer vorne sitzen, was mich einerseits freut, mir aber anderseits auch jedesmal ein schlechtes Gefühl gibt. Nach ungefähr 20 Minuten Fahrzeit und einer Menge Rechtsüberholungen kamen wir um 8:26 Uhr an der Schule an, wo wir uns treffen sollten. Wie sich herausstellte wurde aber als Zeitpunkt erst 9 Uhr abgemacht und so waren wir zur Abwechslung mal überpünktlich.

Nach und nach trudelten die Kirgisen und Deutschen ein. Ich war überrascht, wie viele Schüler zu einer Wanderung mit dem Koffer kamen 🙂 Ein paar Minuten zu spät, dafür aber mit viel Stil kam unser Lehrer im Porsche Cayenne Turbo S vorgefahren (und erledigte hierin auch noch ganz stilecht die Bezahlung für die Busse). Um zwanzig nach Neun fuhren wir mit zwei Minibussen los Richtung Issyk Kul. Über den ersten Teil der Reise kann ich leider nicht viel erzählen, da ich geschlafen habe…

Kurz vor 11 machten wir den ersten Stop an einer Raststätte oder besser gesagt an der Tankstelle. Die Grenze zu Kasachstan war einen Steinwurf entfernt, nebenan war ein großer Viehmarkt und so beobachteten und Pferde, Schafe und Kühe von ihren Hängern. Die meisten gingen auf die Toilette (Schüler, nicht Tiere) und Jasper gab Toni (Anton) und mir (Frithjof) ein Eis aus. Um ca. 11:00 fuhren wir weiter. Langsam bekam ich Hunger, doch als Jasper sein an der Tanke gekauftes Baguette rausholte, war mein Hunger mit einem Mal gestillt. Das Baguette schmeckte laut Jasper nach nichts, sah (und roch) aber nach einem starken Geschmack aus…

Auf der weiteren Fahrt sahen wir schöne Steppen und Bäche, am Horizont thronten prunkvoll die riesigen Berge, in die wir nun reinfuhren. Nach einer guten Stunde Fahrt kamen wir an einer Raststätte mitten in den Bergen an. Es gab einen kleinen Shop, bei dem ich ca. 10 Lollis für die, die Hunger hatten, holte. Neben dem kleinen Laden gab es ein Reck, an dem wir Klimmzüge machten. Toni und ich starteten einen kleinen Handstand-Wettkampf, bei dem ich zu meiner Verwunderung nicht komplett abgezogen wurde, sondern Toni und ich jeweils eine Disziplin gewannen. Toni konnte den Handstand länger halten und ich konnte weiter auf den Händen gehen.

Nach dieser ziemlich sportlichen Pause ging es um ca. 12:30 weiter. Um 13:00 konnten wir zum ersten Mal den Issyk Kul See sehen. Der See sah extrem schön aus und ist riesig groß. Man konnte das andere Ufer nur durch die riesigen Berge in der Ferne erahnen.

Anschließend spielten Greta, Toni und ich „Wer bin ich?“. Anton hatte eine Person für mich ausgesucht, es war ein Fußballer, den ich direkt erriet. Greta war Arnold Schwarzenegger, den sie nach einer Weile auch heraus bekam. Toni konnte seine Person nur durch viele Tipps erraten. Als wir fertig waren, kamen Toni und ich auf die Idee, „Sching Schang Schmerz“ zu spielen. Als wir gegen 14:00 ankamen, waren Tonis Unterarm und meine Hände von den vielen Schlägen extrem rot. In der Unterkunft wurden wir fast alle in Zweierzimmer aufgeteilt. Dastan und mein Zimmer roch ein wenig, war aber sonst ganz gut. Ich packte meinen Rucksack aus und ging zusammen mit den anderenzum Mittagessen. Es gab als Vorspeise eine rötliche Suppe, die meinen Geschmack nicht wirklich traf. Als Hauptgang gab es Pommes mit einer Art großen Bulette. Die Pommes schmeckten ein bisschen mehlig und die Bulette hatte eine komische Konsistenz. Alles in allem war es aber ein gutes Essen.

Um 14:45 fuhren wir mit den Minibussen zum Issyk Kul See. Unser Lehrer kam nicht mit, da ihm das Essen in Kirgistan (und der Vodka, den er aus Höflichkeit immer mittrinken muss) nicht so gut bekommt, wie er sagte. Als wir nach ca. 10 Minuten ankamen, liefen wir direkt in den See, der im ersten Moment, wie ich fand, unerwartet kalt war. Nach einer Weile im Wasser kamen wir auf die Idee von dem Steg, der ca. hundert Meter entfernt war zu springen. Als wir am Steg ankamen, waren wir wieder komplett trocken. So fiel das Springen denkbar schwer. Nach einer Weile überwanden wir uns aber und sprangen nacheinander oder auch zusammen vom Steg. Fast alle gingen ins Wasser und hatten eine Menge Spaß. Die anderen machten das „perfekte“ Foto für Instagram oder besser gesagt versuchten es . Nach dem Schwimmen wurde Anton von einem Einheimischen mit einem Kuss auf die Wange herzlich begrüßt. Als wir uns langsam wieder vom kalten Wasser erholten und uns in der Sonne wärmten, kam ein nett aussehender Kirgise und schenkte uns eine Melone, ein Boorsok (kirgisisches Brot) und Pferdefleisch. Wir bedankten uns, so gut wir konnten, auf Kirgisisch. Die Melone schmeckte sehr süß und lecker, das Brot war auch gut, hingegen traf das Pferdefleisch nicht unseren deutschen Geschmack. Als wir satt waren spielten wir: ak terek kok terek, ein kirgisisches Spiel. Bei dem Spiel stehen sich zwei Menschenketten gegenüber und die Menschen halten sich an den Händen. Nun müssen nacheinander Personen aus der einen Reihe probieren die andere Kette zu durchbrechen. Wenn sie es schaffen durch die Kette hindurch zu laufen, können Sie einen Spieler der Gegner zu ihrer Reihe mitnehmen, wenn sie es nicht schaffen, müssen sie sich in der anderen Menschenkette einreihen.

Nach diesem, wie ich fand, ziemlich brutalen Spiel macht wir noch einige Fotos. Anschließend zogen wir uns um und fuhren mit den Minibussen wieder zurück zur Unterkunft. Auf der Fahrt hörten wir laut kirgisische Musik und tanzten im Bus zur Musik.

Um 19:00 trafen wir uns zum Abendessen. Zum Abendessen gab es Salat als Vorspeise und Kurdack (Kartoffeln mit Fleisch) zur Hauptspeise. Das Essen war sehr lecker. An diesem Abend lachten wir sehr viel. Nach dem Essen trafen wir uns bei den Minibussen und tanzten zu kirgisischer Musik. Wie wir Bremer feststellen mussten, tanzten wir im Gegenteil zu den Kirgisen extrem schlecht. Nach einer guten Stunde des Tanzens beschlossen wir in einen nahegelegenen Park zu gehen. Dort schaukelten wir und unterhielten uns zuerst. Dann kamen wir auf die Idee, im Dunkeln verstecken zu spielen. Toni und ich waren Sucher. Wir fanden ca. die Hälfte der Versteckten und als uns die Kirgisen beim Suchen halfen, fanden wir mit Ausnahme von Dastan alle. Dastan wurde nach ca. einer halben Stunde des Suchens gefunden. Erqaiym, eine Kirgiesin, hatte sich beim verstecken verletzt und war so auf die Hilfe der drei Wunderdoktoren, Jasper, Toni und Frithjof (ich) angewiesen. Wir versorgten in Windeseile die Wunde und ich pustete die letzten Schmerzen in den Himmel. Gegen 22:00 ging ich zusammen mit Lennart und ein paar anderen zu einem Supermarkt und kaufte Eis. Ich revanchierte mich bei Jasper und kaufte Jasper, Toni, Bermet und mir natürlich ein Eis. Das Eis aßen wir auf dem Balkon von Tonis und Jaspers Zimmer. Die nächste Stunde verbrachten wir mit Erzählen und Musikhören. Um ungefähr 23:00 gingen wir in das Nachbarzimmer und spielten eine abgewandelte Form des Spieles „Werwolf“, das „Mafia“ heißt. Nach einer Stunde wurden wir aber von Aiperi aus ihrem Zimmer geworfen. Es war Mitternacht und ich beschloss schlafen zu gehen. Mein Tag endete schließlich damit, dass ich probierte, neben dem laut schnarchenden Dastan einzuschlafen.

Herausragendes:

Die unglaubliche Größe des Issyk Kul hat zumindest uns Bremer sehr überrascht. Manch einer fragte überrascht, ob Kirgistan am Meer liege.

Herausforderndes:

Mich auf den Geschmack der einheimischen Küche einzulassen, fällt an manchen Stellen etwas schwer und dennoch muss ein höfliches Gesicht bewahren.

Fazit:

Ich fand den Tag sehr schön, vorallem hat mich die Größe und Klarheit des Issyk Kul Sees beeindruckt.