Tag 6

Die kirgisischen Austauschfamilien hatten sich im Vorhinein gewünscht, einen Tag mit ihren Gastkindern zu verbringen und so pausierte die Projektarbeit für einen Tag. Zeit sich noch einmal in Ruhe kennenzulernen…

Meine Erwartungen

Es ist Tag 6 und wir haben einen freien Tag mit der Familie, also ohne Schule oder die Lehrer. Eine kleine Pause voneinander tut sicher allen gut und wir haben Zeit uns etwas intensiver mit unseren Gastfamilien auszutauschen. Die Kirgisen hatten auch schon irgendwas geplant, aber so recht wurden wir vorher nicht schlau daraus. Mir blieb also nicht anderes übrig, als mich darauf zu freuen, was da wohl kommt.

Meine Erlebnisse

Wir haben uns früh morgens am Osch-Basar, einem riesigen Einkaufsgelände, getroffen. Einige kamen schon um 9 Uhr, aber manche kamen mal wieder eine Stunde später. Ich selbst war heute an unserem freien Tag schon um 8 Uhr aufgestanden, daraufhin habe ich geduscht und gefrühstückt. Es gab Spiegelei mit Würstchen und Brot. Wir sind dann um 9 Uhr los gefahren, allerdings wollte der kleine Bruder von Kumar mitfahren, aber er durfte nicht und hat einen ganz schönen Aufstand gemacht. Ich fand es sehr lustig.

Die anderen haben wir dann bei dem Basar um 9:30 Uhr getroffen, allerdings waren wir dort dann nur ein paar Minuten, denn es hatten wenige Läden offen und alle Sachen, also vor allem Kleidung, waren so teuer wie im Einkaufszentrum. Es machte für uns keinen Sinn…Interessant war es aber schon, dass es hier scheinbar einfach alles, was man so braucht, zu kaufen gab. Von einfachen Stoffen über Gewürzsäcke, 50kg Vorratspackungen Reis in allen Varianten bis hin zu Hufeisen und Schrotkugeln.

Eine Stunde später haben wir uns aufgeteilt: 4 Leute sind schon mit dem Auto in die Berge gefahren. Wir haben dagegen eine Pause an einem kleinen Zoo in Bischkek gemacht. Dort gab es Sträuße, viele Vögel, einen Igel, Schildkröten, Kaninchen und ein paar Meerschweinchen. Die anderen sind in das nächste Einkaufszentrum neben dem Basar gegangen.

In den Bergen war es sehr schön, wir mussten zwar erstmal knapp eine Stunde dorthin fahren, es hat sich äußerst gelohnt. Das Wasser war blau, kalt und klar, wir haben es zwar nicht getrunken, aber haben es trotzdem genossen. Wir schossen einige Bilder und sind noch etwas neben dem Wasser geklettert. Nach knapp 2 1/2 Stunden haben wir uns auf den Weg zu den anderen gemacht. Die meisten waren bei einem Ferienhaus von Begimai. Die Fahrt dorthin dauerte ungefähr 40 min. Als wir dort ankamen waren alle am Anfang der Straße und haben auf uns gewartet. Wir sind weiter zu dem Haus gefahren, dort gab es erstmal essen. Anton und ich (Lennart) haben dann versucht, uns mit einem Familienangehörigen zu unterhalten: er wusste etwas über Fußball Bescheid und wir haben über Werder Bremen und Bayer Leverkusen gesprochen, naja wohl eher versucht, uns zu verständigen. Da er nur ein paar Wörter Englisch konnte und auch kein Deutsch sprach, war es sehr schwer, doch es hat geklappt.

Als wir fertig gegessen hatten, trafen auch die anderen ein und wir sind zu einer Seilbahn gefahren, die in der Nähe des Hauses liegt. Die Aussicht hat uns sehr beeindruckt. Nach ein paar Minuten sind wir hochgefahren und alle Mädchen haben dann ganz laut gesungen, da sie so gut gelaunt waren. Natürlich wurden direkt ganz viele Fotos gemacht. Die Aussicht war einfach unglaublich, es war unfassbar schön. Die Berge waren ohne Steine, sie waren wie eine gerade Fläche die nach oben und wieder runter ging, Die Sonne, die Wolken, einfach alles war wunderschön. Nachdem wir Bilder gemacht hatten, sind dann ein paar Leute noch weiter nach oben gelaufen. Erst dachten wir, dass wir den Berg hoch joggen könnten, doch schon nach einer Minute konnten wir nicht mehr und sind gegangen. Die Aussicht oben war noch besser, aber leider nur von kurzer Dauer, denn wir mussten wieder runter, da die Seilbahn zu gemacht hätte und wir wollten nicht laufen. 

Wieder am Haus angekommen, gab es wieder etwas zu essen. Wieder war es vorzüglich, wieder war es viel und wieder ein Zeichen der großen kirgisischen Gastfreundschaft. Jetzt stand gegrilltes Hähnchen mit Brot und etwas Salat auf dem Menü und wir alle aßen reichlich, um unsere Dankbarkeit zu zeigen. Kumar und ich sind dann weiter zu seinen Großeltern gefahren, allerdings haben wir noch einen Stopp am Straßenrand gemacht, denn dort sahen wir einen kirgisischen Reiter. Wir haben ihn gefragt, ob wir auch mal auf dem Pferd reiten können und er sagte ja, also gings in den Sattel. Es hat sehr viel Spaß gemacht und da ich vorher noch nie wirklich ein Pferd geritten bin, schon gar nicht im Reiterland schlechthin, war es für mich eine wunderbare Erfahrung. Die Bergkulisse machte es dann nochmal doppelt so einzigartig.

Nach dem Reiten ging es dann weiter zu Kumars Großeltern, welche im Süden von Bischkek wohnen. Mir wurde etwas mulmig, denn als Fremder zu den Großeltern eingeladen zu werden, ist auch in Deutschland eher ungewöhnlich ubd so sah ich eine große Ehre und ein entsprechendes Mahl auf mich zukommen. Im Haus waren dann Opa, Oma, Onkel, Tante, kleine Cousine, Vater, Mutter, Kumars Bruder, er und ich. 9 Leute und ich stehe im Mittelpunkt. Krass.

Aber nicht nur das, war neu für mich. Als ich später auf die Toilette gegangen bin, fand ich nur einen kleinen Raum außerhalb des Hauses. Die Wände waren aus Stein, der Boden aus Holz und im Boden war einfach nur ein Loch – das war die Toilette.

Natürlich geht so eine Einladung nicht ohne Essen vonstatten: erst etwas Fisch, Fleisch und Kartoffeln, dazu ein bisschen Salat und Brot. Darauf folgte ein riesiger Teller Plov, das ist ein kirgisisches National Gericht. Es besteht aus Reis, ein bisschen Gemüse und Fleisch. Und da ich schon von dem Essen vorher in den Bergen voll war, war es viel zu viel für mich. Der Opa als Hausherr saß aber neben mir und hat immer gesagt, dass ich etwas essen sollte, also aß ich immer weiter, weil ich einfach nicht unhöflich sein wollte. Ich glaube, dass ich an diesem Tag so viel gegessen habe , wie noch nie in meinem Leben (ist ja auch noch nicht so lang😉 Ann.d.Red.). Dazu habe ich immer noch mehr Tee bekommen und habe auch ungefähr 5 oder 6 Tassen getrunken.

Als wir dann nach knapp einer Stunde fertig waren, bekam ich ein paar Geschenke. Es war ein Stiftehalter aus Kirgistan, 3 Postkarten, Magnete, ein Glas Honig und 2 Liter selbstgemachte Marmelade. Natürlich hab ich vorher auch noch ein paar Geschenke vergeben, allerdings habe nicht damit gerechnet, dass ich auch welche bekomme werde. Anschließend sind wir ein bisschen in Haus und Garten rumgelaufen. Draußen war ein kleiner, äußerst verspielter Hund, der die ganze Zeit herumgesprungen ist. Im Haus war noch eine kleine Katze, die ungefähr nur so groß wie mein Fuß war, sie war noch ein Baby. Kumars Cousine ärgerte sie die ganze Zeit, allerdings hatte die Katze kein großes Problem damit. Nachdem mir alles gezeigt wurde, sind wir ins Auto gestiegen und haben ein bisschen Musik gehört. Danach wurden wir wieder zum Essen gerufen, denn es gab Kuchen. Die Gastfreundschaft in dem Haus war außerordentlich gut. Alle waren nett zueinander, es ist viel herzlicher als in Deutschland. Nachdem wir den Kuchen gegessen hatten, haben wir uns verabschiedet und sind heim gefahren. 10kg schwerer und glücklich über meine Zeit hier, ging es dann auch ganz fix ins Bett.

Bemerkenswertes

Die atemberaubenden Ausblicke und die Bergkulisse, die überall durchblitzt. Das Erlebnis, auf einem kirgisischen Pferd zu sitzen. Ehrengast in einer fremden Familie zu sein, obwohl ich nur ein Gastschüler bin.

Herausforderndes

Die Menge an Essen, die wir hier vertilgen „müssen“, weil die Kirgisen so stolz auf uns als Gäste sind, ist ordentlich. Neinsagen kann ich nicht, will ich nicht und darf ich wohl auch nicht, wenn ich niemanden beleidigen möchte.

Fazit

Kirgistan – du erforderst einen starken Magen.

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