Empfang der Kirgisen 18.03.19

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Erwartungen

Meine Austauschpartnerin Azhar und ich (Saihan) haben uns für den heutigen Tag erhofft, dass heute ein ereignisreicher Tag wird, voll mit verschiedenen Aktivitäten. Uns war bereits bewusst, dass auch der heutige Märztag kalt sein wird, wir hofften dennoch, dass es nicht regnet.

Erlebnisse

8:15 Uhr trafen wir am Forum, unserer kleinen Schulaula, ein. Die Vorbereitung des Kulturprogramms hatte längst begonnen, wir brachten uns so gut es geht ein. Die 8er übten ihre Auftritte und standen sichtlich aufgeregt am Rand. Durch die Fünft- und Sechstklässler kam noch mehr Leben und Lautstärke in den Raum. Die einen bauten ihre Instrumente auf, die anderen waren das Begrüßungskomitee.  Auch die Kirgisen bereiteten sich vor – Azhar und Begimai hatten sogar ihre Tracht dabei. In diesem ganzen Schülertrubel rannten Herr Schünzel und Frau Schmidt herum und begrüßten die immer größer werdende Gästeschar. Die Schulleitung war da, viele Kollegen und sogar einige Eltern. Alle gespannt darauf, was gleich passiert würde, was auch die Unruhe erklären würde.

Am Anfang des Programms begrüßten ca. 20 Fünft-, Sechst- und Achtklässler alle Gäste in ihrer jeweiligen Muttersprache. Schon hieran konnte man sehen, wie sehr das Thema „Migration“ unsere Schule berührt. Im Anschluss nutzten Frau Schmidt und Herr Schünzel die Gelegenheit auch zu einer langen Danksagung. Es wurde deutlich, wieviele Personen nötig sind, um unseren Schulaustausch umzusetzen. Auch unser Schulleiter herr Sudmann begrüßte die Gäste aus Kirgistan und erzählte über seine persönliche Verbindung zur kirgisischen Kultur. Als junger Mann habe er Aitmatovs „Djamila“ gelesen und halte es heute noch für die schönste Liebesgeschichte der Welt. Er hatte sich auch eine Überraschung einfallen lassen und wiederholte diese Worte auf Plattdeutsch.  Laut Azhar war es etwas schwierig, Herrn Sudmanns Erzählung aufgrund des unklaren Dialekts zu verfolgen. Spannend dennoch, was wir hier im Norden noch für „Geheimnisse“ bereithalten.

Anschließend hatte die Bläserklasse aus der Fünften ihren Auftritt.  Dafür dass die Kinder größtenteils erst seit einem halben Jahr ein Musikinstrument lernen, war die Leistung, für eine so große Gästeschar zu spielen, herausragend.  Danach war das Englisch-Profil an der Reihe. Sie hatten sich einige Fakten über Bremen herausgesucht und erklärten den Kirgisen, wie man am besten in Bremen klar komme. Das war auch der Grund, weshalb dieser Auftritt “How to survive in Bremen” hieß. Vom typischen Moin über unser Schietwetter und den SV Werder war alles dabei. Bevor die Kirgisen endlich mit ihren Auftritten dran kamen, war noch das Stoyrboard-Profil dran, die die bekannte Ballade von Schiller “Die Bürgschaft” aufführten. Leider waren viele Darsteller und Sprecher nicht wirklich zu verstehen, waren zu schüchtern und zu schnell. Das Stück konnte dadurch leider nicht seine tolle Wirkung entfalten und kam laut meiner Beobachtung dann bei den meisten auch nicht so gut an.

Endlich waren die Kirgisen mit ihren Auftritten dran. Azhar begann mit dem kirgisischen Lied “Esimde” von Toktogul Satylganov, dem Namensgeber unserer Partnerschule. Sie hat eine sehr gute und kraftvolle Stimme, mit einem Schlag waren alle Zuschauer ruhig und beeindruckt. Anschließend tanzte sie zusammen mit Begimai in traditioneller Trach, bevor Aiperi, Aidana, Esther, Narina und Erkayim Ooz Komus (kirgisisches Musikinstrument, ähnlich einer Maultrommel) spielten.                     OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Den musikalischen Abschluss bildeten Greta, Anton und ihr Vater, die uns ihr Können auf Geige und am Klavier zeigten und sehr viel Applaus ernteten. Samara und Herr Heuzeroth waren nun mit ihrem Dank an der Reihe: Nun hat unser Schulleiter nicht nur ein neues Bild, sondern auch einen Kalpak, den typisch kirgisischen Hut. Auch Herr Schünzel, Frau Schmidt und andere bekamen kleine Geschenke, bevor unsere Gastschüler allen Gästen ein paar Köstlichkeiten anboten. Und so ging ein kurzweiliges Programm zu Ende und hinterließ überall fröhlich Gesichter und neue Werder-Fans.

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Nach dem Mittag besprachen wir das Programm, verglichen unsere Erwartungen und stiegen schon so richtig in unsere Projektarbeit ein. Am Dienstag sind wir an der Domsheide zu Gast und besuchen die Bürgerschaft, die Senatskanzlei bzw. das Rathaus und den Bremer Rat für Integration.

Um den Bremer Rat und seine Aufgaben besser zu verstehen, wurden wir in fünf Gruppen eingeteilt und sollten uns einen Werbespot für ihn ausdenken. Eine ungewöhnliche Idee, die aber dafür sorgte, dass sich alle auf ganz eigene Weise mit unserem Interviewpartner auseinandersetzten und auftauten.

Jetzt ging es aber mit der 4 in die Innenstadt, denn jetzt stand die Stadtrallye an. Ich war mit Lena, Aiperi und Azhar in einer Gruppe. Neben kleinen Wissensfragen wurde es aktiv und sehr spaßig, schließlich brauchte jeder ein originelles Gruppenfoto vor den Bremer Stadtmusikanten. Einige Fragen konnte man schon beantworten, andere Fragen waren eher knifflig. Als unsere Gruppe mit allen Fragen fertig war, haben wir unseren dreiseitigen Fragebogen bei Frau Schmidt abgegeben und wurden dann entlassen.

Als Austauschgruppe haben wir dann gemeinsam entschieden, in die Waterfront zu fahren. Obwohl ich bereits am Samstag mit Azhar in der Waterfront war und eigentlich nicht nochmal dahin wollte, sind wir trotzdem nochmal mit. Diesmal waren alle Austauschschüler dabei. Dort haben wir uns in Kleingruppen aufgeteilt. Während ich zusammen mit Bermet und Azhar bei verschiedenen Läden waren, haben die anderen erstmal eine Kleinigkeit gegessen. Später hat man sich auch in dem ein oder anderen Läden zufällig wieder getroffen.

Gegen 19:00 Uhr hat man sich bei New Yorker getroffen, weil Bermet noch an der Schlange stand. Als wir alle fertig waren, haben wir uns auf dem Weg zur Haltestelle gemacht. Auf dem Weg dahin, haben wir die Lichter der S-Bahn von Weitem bereits erkannt. Schnell rannten wir über die Straße, bevor wir die Bahn verpassen würden. In der Bahn habe ich mich mit Azhar spontan dazu entschieden, genau wie alle anderen Austauschschülern, zu Greta und Anton mitzufahren und dort einen gemütlichen und kulinarischen Abend zu verbringen. Als wir bei ihnen angekommen waren, musizierten Jasper und Lennart, während andere den Tisch deckten oder einfach quatschten. Es war ein wunderschöner Abend, denn etwas später aßen wir alle noch gemeinsam zu Abend. Die Mutter von Greta und Anton hatte für uns Spaghetti Bolognese sowie eine vegetarische Soße gekocht. Das Essen war vorzüglich. Nach dem Essen habe ich zusammen mit Azhar, Narina, Erkayim, Greta und Dastan ein Spiel gespielt, das mit dem Sieg von mir und Narina beendet war. Gegen 22 Uhr bin ich mit Azhar gegangen, denn wir wurden abgeholt.                                                                        IMG_5367

Fazit

Manche Tage sind zwar sehr sehr lang, aber umso schöner, wenn man sie mit (neuen) Freunden verbringen kann.